Galilei

 

Galileo Galilei

I. Keplers Beziehung zu Galilei

Johannes Kepler und der sieben Jahre ältere Galileo Galilei bewirkten zusammen einen Umbruch auf dem Gebiet der Wissenschaften, dementsprechend hatten sie in ihren wissenschaftlichen Ansichten und ihrer Art auch gewisse Gemeinsamkeiten:
Kopernikanisches WeltbildBeide vertraten das heliozentrische Weltsystem des Nikolaus Kopernikus und waren bestrebt dieses weiterzuentwickeln und zu beweisen. So schrieb Galilei in einem Brief an Kepler aus dem Jahre 1597: „…unser Lehrer Kopernikus, der verlacht wurde".
Außerdem waren beide sehr gläubige Menschen, deren Wissenschaft nicht gegen die Kirche beziehungsweise Gott sein sollte, sondern diesen und seine Welt ehren sollte. Sie waren also keine „Rebellen“, sondern sahen sich viel mehr als „Forscher in Gottes Sinn“. Ihre Intension war es nicht die Kirche zu widerlegen oder zu spalten, sondern vielmehr war ihnen an einer Reform der Weltsicht der Kirche gelegen. Doch beide wurden von kirchlicher Seite missverstanden und ihre Werke nicht geachtet.

Doch trotz allem waren sich die Beiden in ihren Eigenschaften und ihrer Persönlichkeit recht unterschiedlich.

So funktionierte die Zusammenarbeit Keplers und Galileis nicht reibungslos und auch der gemeinsame Briefwechsel wurde im Jahre 1610 von Seite Galileis abgebrochen, als er auf mindestens sechs Briefe des Deutschen nicht mehr antwortete (bis auf eine kurze Empfehlung im Jahre 1627).
Verdeutlicht wird dieses unharmonische Verhältnis schon zu Beginn des Kontaktes, als Keplers Mysterium Cosmograhicum erschien:
Kepler schickte ein Exemplar an den Kollegen aus Italien – der bisher noch keinen Namen als Astronom hatte, sondern nur als Physiker bekannt war – und war hoch erfreut über dessen höfliche Antwort, in der sich Galilei zur Lehre des Kopernikus bekannte aber auch seine Zweifel, öffentlich dafür einzutreten. Daraufhin antworte Kepler dem neuen, wie Galilei schrieb, „aufrichtigen Freund“ voller Vorfreude auf einen zukünftigen regen Gedankenaustausch: „Seid guten Mutes, Galilei, und tretet hervor. Wenn ich recht vermute gibt es unter den bedeutenden Mathematikern Europas wenige, die sich von uns scheiden wollen. So groß ist die Macht der Wahrheit. [...] Nun möchte ich noch eine Beobachtung von euch Euch erbitten; da ich nämlich keine Instrumente besitze, muß ich zu anderen meine Zuflucht nehmen.“ Kepler bat hier um Beobachtungen bezüglich der Entfernung der Fixsternsphäre. Doch zu seiner großen Enttäuschung erhielt er nie eine Antwort auf diesen Brief.
Und auch im weiteren Verlauf der Beziehung verhielt sich Galilei Kepler gegenüber wenig kollegial. Später erfuhr er sogar, dass Galilei einige Entdeckungen Keplers als seine eigenen ausgebe. Doch Kepler reagierte darauf selbstlos und meinte: „Galilei halte ich mitnichten zurück, meine Sachen für sich in Anspruch zu nehmen. Meine Zeugen sind das helle Tageslicht und die Zeit. Wer auf diese Zeugen hört – die Gebildeten und Vernünftigen hören darauf –, der lässt sich nie täuschen.“
Und hierin zeigt sich auch ein weiterer Unterschied in der Persönlichkeit der beiden Wissenschaftler: Während Kepler ein bescheidener und friedlicher Mann war, der nach Anerkennung für die Sache (also seine Entdeckungen) strebte, war Galilei sehr darauf bedacht selbst Anerkennung und Ruhm zu erlangen und ließ sich gerne auf die eine oder andere Auseinandersetzung ein. Somit sah zunächst Kepler in Galilei eher einen Gleichgesinnten mit dem er sich hätte austauschen können, Galilei in Kepler aber eher einen Rivalen, der seinen eigenen Ruhm schmälern könnte oder der mit seiner Hilfe selbst zu unverdienter Anerkennung kommen könnte.

Bezeichnend hierfür ist auch, dass Galilei sich nicht bereiterklärte, Kepler eines seiner neu entwickelten Fernrohre zukommen zu lassen, als dieser ihn darum bat. Galilei antwortete auf Keplers Bitte, er wolle in Zukunft neue Instrumente bauen und sie seinen Freunden schicken. Zu welchen er Kepler anscheinend nicht zählte, denn der deutsche Astronom erhielt nie ein solches.
Zuvor hatte Kepler Galileis, von der Fachwelt wenig gepriesene, „Sidereus nuncius“ (Sternenbote/-botschaft) in einem offenen Brief durchaus gelobt und stand Galilei damit zur Seite. Wobei er aber in seiner Vorrede anmerkte: „...Auch glaube ich nicht, dass sich der Italiener Galilei um mich - den Deutschen - so sehr verdient gemacht hat, dass ich ihm dafür schmeicheln müsste, indem ich die Wahrheit und meine innerste Überzeugung nach ihm einrichte.
Zudem sollte niemand glauben, dass meine freimütige Zustimmung zu Galilei anderen die Freiheit nimmt, anders zu denken. Ich lobte ihn ohne die Rücksicht auf das Urteil irgendeines anderen.“


Ein Treffen der beiden großen Wissenschaftler fand übrigens nie statt.

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II. Biographie

GalileiDer italienische Mathematiker, Physiker und Philosoph wurde am 15. Februar 1564 in Pisa geboren. Er war der Sohn eines wenig begüterten florentinischen Tuchhändlers, Musikers und Musiktheoretikers, der seinerseits „musik-physikalische“ Untersuchungen anstellte.
Der kleine Galilei, der später sagte er habe mit dem Gedanken gespielt, Maler zu werden, wurde zunächst in einem Kloster (Vallombroso) als Novize erzogen, bevor er ab 1581 auf Wunsch seines Vaters ein Medizinstudium an der Universität Pisas begann. Doch nach drei oder vier Jahren des Medizin- und Philosophiestudiums entschied er sich für einen Wechsel und studierte von nun an die mehr in seinem Interesse stehenden Fächer der Naturwissenschaften und Mathematik. Er beendete das Studium ohne Abschluss und ging 1985 nach Florenz um seine Studien privat fortzusetzen.
Als 26-Jähriger wurde Galilei, der sich lange mit den Schriften des Aristoteles beschäftigt hatte, auf Grund seiner guten Beziehungen zum Professor der Mathematik in Pisa ernannt. Die Stelle wurde jedoch nicht sehr gut vergütet und so bekam Galilei, als 1591 sein Vater starb und er dadurch für Mutter, drei jüngere Geschwister und die Mitgift der älteren Schwester aufkommen musste, finanzielle Probleme. Aus diesem Grund ging er im darauffolgenden Jahr als Professor für Mathematik und Physik nach Padua, was eine etwas besser besoldete Stelle darstellte. Nebenbei gab er noch – aus demselben Grund – Privatunterricht an einige Schüler aus begütertem Elternhaus.
Ein weiterer Aufstieg wurde Galilei, der inzwischen schon einige nennenswerte Entdeckungen gemacht hatte, im Jahre 1610 ermöglicht, indem er als Hofmathematiker des Großherzogs von Florenz Cosimo de Medici (sein ehemaliger Schüler) in Florenz angestellt wurde. Hierdurch erhoffte sich Galilei neben einer besseren Bezahlung auch mehr Zeit und Freiheit für seine Experimente. Gleichzeitig trennte er sich aber auch von seiner Haushälterin Marina Gamba, mit der er elf Jahre lang eine Beziehung geführt und drei Kinder hatte, die in den Jahren 1600, 1601 und 1606 zur Welt kamen.
1611 reiste Galilei erstmals nach Rom, mit der Absicht die kirchliche Oberbehörde von der Richtigkeit des kopernikanischen Weltbildes zu überzeugen, was ihm aber nicht gelang.
In der Folgezeit nutzte er die ihm gegebenen Möglichkeiten, indem er weitere Experimente anstellte und seine Ergebnisse und Gedanken veröffentlichte.

Dialogo1632 erscheint das Werk, das Galilei zum Verhängnis werden sollte: Dialogo di Galileo Galilei sopra i due Massimi Sistemi del Mondo Tolemaico e Copernicano (Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme, das Ptolemäische und das Kopernikanische).
Nachdem Galileis Versuche, die Kirche zu überzeugen bisher fehlgeschlagen waren, erhoffte er sich neue Chancen bei dem 1618 neu eingesetzten Papst Urban VIII. Da sein erstes Werk „Il Saggiatore“ („Prüfer mit der Goldwaage“) keine Beachtung fand, veröffentlichte Galilei eben 1632 dieses Buch, mit dem er die Menschen auf eine besondere Art und Weise vom neuen Weltbild überzeugen wollte: Er lies einen Vertreter des Ptolemäischen und einen des Kopernikanischen Weltsystems miteinander diskutieren, wobei der Vertreter des Kopernikanischen schlussendlich die deutlich besseren Argumente anführt und somit gewinnt. Diese Diskussion wurde von den Offiziellen des Vatikans nicht mehr für eine hypothetische Schreibweise gehalten und sie verhängten deshalb ein Druckverbot. Kurz darauf wurde der Fall der Inquisition übergeben und Galilei wurde zum Papst nach Rom bestellt. Auf Grund gesundheitlicher Probleme verzögerte sich seine Reise noch etwas, bis er schließlich im April 1633 offiziell vernommen wurde. Der nun begonnene Prozess, während dessen Galilei auch einige Tage ein Apartment der Inquisition beziehen musste, endete am 22. Juni 1633 mit dem Widerruf der Theorie des 69-Jährigen. Unter Androhung der Folter verlies Galilei vor den Kardinälen kniend folgenden Text, der ihm von der Inquisition vorbereitet worden war:

„Ich, Galileo Sohn des Vinzenz Galilei aus Florenz, siebzig Jahre alt, stand persönlich vor Gericht und ich kniete vor Euch Eminenzen, die Ihr in der ganzen Christenheit die Inquisitionen gegen die ketzerische Verworfenheit seid. Ich habe vor mir die heiligen Evangelien, berühre sie mit de Hand und schwöre, dass ich immer geglaubt habe, auch jetzt glaube und mit Gottes Hilfe auch in Zukunft glauben werde, alles was die heilige katholische und apostolische Kirche für wahr hält, predigt und lehrt.Es war mir von diesem Heiligen Offizium von Rechts wegen die Vorschrift auferlegt worden, dass ich völlig die falsche Meinung aufgeben müsse, dass die Sonne der Mittelpunkt der Welt ist, und dass sie sich nicht bewegt, und dass die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt ist, und dass sie sich bewegt. Es war mir weiter befohlen worden, dass ich diese falsche Lehre nicht vertreten dürfe, sie nicht verteidigen dürfe und dass ich sie in keiner Weise lehren dürfe, weder in Wort noch in Schrift. Es war mir auch erklärt worden, dass jene Lehre der Heiligen Schrift zuwider sei. Galilei Prozess Trotzdem habe ich ein Buch geschrieben und zum Druck gebracht, in dem ich jene bereits verurteilte Lehre behandele und in dem ich mit viel Geschick Gründe zugunsten derselben beibringe, ohne jedoch zu irgendeiner Entscheidung zu gelangen. Daher bin ich der Ketzerei in hohem Maße verdächtig befunden worden, darin bestehend, dass ich die Meinung vertreten und geglaubt habe, dass die Sonne Mittelpunkt der Welt und unbeweglich ist, und dass die Erde nicht Mittelpunkt ist und sich bewegt. Ich möchte mich nun vor Euren Eminenzen und vor jedem gläubigen Christen von jenem schweren Verdacht, den ich gerade näher bezeichnete, reinigen. Daher schwöre ich mit aufrichtigem Sinn und ohne Heuchelei ab, verwünsche und verfluche jene Irrtümer und Ketzereien und darüber hinaus ganz allgemein jeden irgendwie gearteten Irrtum, Ketzerei oder Sektiererei, die der Heiligen Kirche entgegen ist. Ich schwöre, dass ich in Zukunft weder in Wort noch in Schrift etwas verkünden werde, das mich in einen solchen Verdacht bringen könnte. Wenn ich aber einen Ketzer kenne, oder jemanden der Ketzerei verdächtig weiß, so werde ich ihn diesem Heiligen Offizium anzeigen oder ihn dem Inquisitor oder der kirchlichen Behörde meines Aufenthaltortes angeben.
Ich schwöre auch, dass ich alle Bußen, die mir das Heilige Offizium auferlegt hat oder noch auferlegen wird, genauestens beachten und erfüllen werde. Sollte ich irgendeinem meiner Versprechen und Eide, was Gott verhüten möge, zuwiderhandeln, so unterwerfe ich mich allen Strafen und Züchtigungen, die das kanonische Recht und andere allgemeine und besonders einschlägige Bestimmungen gegen solche Sünder festsetzen und verkünden. Dass Gott mir helfe und seine heiligen Evangelien, die ich mit den Händen berühre.
Ich, Galileo Galilei, habe abgeschworen, geschworen, versprochen und mich verpflichtet, wie ich eben näher ausführte. Zum Zeugnis der Wahrheit habe ich diese Urkunde meines Abschwörens eigenhändig unterschrieben und sie Wort für Wort verlesen, in Rom im Kloster der Minerva am 22. Juni 1633. Ich Galileo Galilei, habe abgeschworen und eigenhändig unterzeichnet.“

Der Legende nach soll Galilei, der an seiner Überzeugung festhielt, beim Verlassen des Gerichtssaals folgende Worte gemurmelt haben: „Eppur si muove" („Und sie [die Erde] bewegt sich doch").
Galilei wurde zu unbefristeter Haft in seinem Landhaus in Arcetri bei Florenz verurteilt. Diese „unbefristete Haft“ bedeutetet Hausarrest und das Verbot jeglicher Lehrtätigkeit. Nicht einmal ein Arztbesuch war ihm gestattet.
Galilei blieb also bis zu seinem Tode ein Gefangener der Inquisition.

1637 erblindete der schon immer unter Sehschwächen leidende Galilei vollständig auf beiden Augen. Man vermutet, dass dies eine Folge seiner anfangs ohne ausreichenden Schutz unternommenen Sonnenbeobachtungen war.
Papst JPII(Auch dieses Augenleiden hatte Galilei mit Kepler gemein.)

Am 8. Januar 1642 starb Galileo Galilei in Arcetri. Ein feierliches Begräbnis in einem ehren- und prunkvollen Grab, das der Großherzog vorgesehen hatte, wurde dem italienischen Wissenschaftler jedoch verwehrt.


Doch hiermit war der Fall Galilei noch nicht abgeschlossen. Neben seinem Ansehen, das er in der Wissenschaft genießt, befasste sich auch die katholische Kirche noch einmal mit dem einstigen „Ketzer“. 1979 beauftragte Papst Johannes Paul II. die Päpstliche Akademie der Wissenschaft, den berühmten Fall aufzuarbeiten.
Am 31. Oktober 1992 hielt Johannes Paul II. eine Rede, die zum einen als Entschuldigung und zum anderen als Heilung des gegenseitigen Missverstehens von Wissenschaft und Kirche gesehen wird.
Am 2. November 1992 wurde Galileo Galilei schließlich formal von der römisch-katholischen Kirche rehabilitiert.



Hier ein Auszug aus der Ansprache von Papst Johannes Paul II. an die Päpstliche Akademie der Wissenschaft am 31. Oktober 1992.

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III. Seine Erkenntnisse und Erfindungen

Galileo Galilei entdeckte und erkannte zahlreiche naturwissenschaftliche Dinge in den Gebieten der Mathematik, Physik und Astronomie. Seine wahren Leistungen waren aber eigentlich gar nicht nur seine Entdeckungen, mindestens genauso wichtig für alle, die ihm folgten war Galileis Weg zu Erkenntnissen zu gelangen.
AristotelesSo war das revolutionäre an seiner Arbeit zum einen seine Art der Forschung und zum anderen seine Art der Ergebnisse; seine Vorgehensweise war neuartig: Galilei entdeckte dass Experiment als wesentliches Mittel zur Erkenntnis von Gesetzmäßigkeiten der Natur. Seine Fragen stellte er daraufhin an das Experiment, seinen Verlauf und sein Ergebnis und nicht an die reine menschliche Vernunft oder den menschlichen Glauben. Die Wissenschaftler vor ihm – besonders auch Aristoteles – fragten stets nach dem „warum“ eines physikalischen Vorgangs; Galilei aber fragte nun nach dem „wie“ eines Prozesses. Außerdem war Galilei der erste, der die Gesetze der Physik in mathematische Formeln umsetzte. Dementsprechend sagt man er habe Folgendes als sein Forschungsprinzip angegeben:
„Wer wissenschaftliche Fragen ohne Hilfe der Mathematik lösen will, unternimmt Undurchführbares. Man muß messen, was messbar ist, und messbar machen, was noch nicht messbar ist.“

Somit nennt man ihn heute sowohl den „Begründer des experimentellen Denkens aller Naturwissenschaftler“, als auch den „Vater der klassischen Physik“, denn er leitete mit seiner Art der Forschung ein neues Zeitalter der Wissenschaft ein.

Was ebenfalls neu war an Galilei, war seine Darstellungsweise: er war einer der ersten Italiener, der seine Forschungsergebnisse fast ausschließlich in seiner Muttersprache darstellte. Zuvor wurde Latein als Sprache der Gelehrten verwendet, wodurch dem „einfachen“ Volk nicht möglich war, die Lehren zu verfolgen oder gar zu beginnen unliebsame Fragen zu stellen. Galilei aber wollte das Volk miteinbeziehen und in gewisser Form vom richtigen Verständnis und Wissen überzeugen. So bereitete er seine Forschungsergebnisse in leicht verständlichen Dialogen aber gleichzeitig in vorbildlich schönem, stilvollen Italienisch auf.


Galileis Erkenntnisse, Entdeckungen und Entwicklungen:

    • Widerlegung der aristotelischen Lehrmeinung zur Fallgeschwindigkeit:
      PisaLaut Aristoteles sei die Fallgeschwindigkeit proportional zum Gewicht eines Körpers. Galilei aber zeigt, dass verschieden schwere Kugeln gleich schnell fallen. Man sagt er habe dies mit Hilfe eines Experiments am Schiefen Turm von Pisa demonstriert: Er soll vor Augen seiner Studenten zwei unterschiedlich schwere Körper herunterfallen lassen haben. In Galileis Schriften und Manuskripten findet sich jedoch kein Hinweis auf solche Versuche, was mangels hinreichend genauer Uhren quantitativ ohnehin so gut wie nicht auswertbar gewesen wäre.
      Seinen Ergebnissen wurde aber von Seiten der Gelehrten keine Beachtung geschenkt. Man war der Auffassung ein solch junger und wohl noch unerfahrener Mann – er war gerade 26 Jahre alt – habe nicht an den Fundamenten der Wissenschaft zu rütteln.
  • Entdeckung der Pendelgesetze:
    Er fand heraus, dass die Dauer einer Pendelschwingung mit einer bestimmten Pendellänge unabhängig von der Bogenlänge oder Amplitude immer gleich lang ist (nur wenn die Amplitude sehr groß wird, hängt die Schwingungsdauer des Pendels von der Amplitude ab). Es bestimmt also nur die Länge des Pendels die Schwingungsdauer. Galileo erkannte die Bedeutung dieser als Isochronie bezeichneten Erscheinung für die Zeitmessung und beschäftigte sich sein Leben lang mit der Frage, wie man diese Entdeckung zur Konstruktion einer Pendeluhr nutzen könne.
  • Entdeckung der Fall- und Trägheitsgesetze:
    Diese Gesetze stellen das eigentliche Hauptwerk Galileis dar. Er erschuf sie während seiner Zeit auf dem Landgut Arceti und veröffentlicht sie außerhalb der Landesgrenzen in dem Buch „Discorsi e dimonstrationi matematiche" (er ließ es nach Holland schmuggeln).
    Schiefe EbeneGalilei stellte fest, dass ein Stein beim Fallen erst ganz langsam ist und dann immer schneller wird. Da er nicht bestätigen kann, dass die Geschwindigkeit in gleichen Wegabschnitten um gleiche Beträge wächst, schlussfolgert er, dass seine Annahme, die Geschwindigkeit sei proportional zu den Zeitabschnitten, richtig ist. Daraus ergab sich v = a t (aus der Ruhelage heraus). Auf Grund seiner Annahme, die Durchschnittsgeschwindigkeit betröge ½ a t, ergab sich somit für den Weg s = ½ a t t; er wächst also mit dem Quadrat der Zeit. Hiermit entdeckte Galilei also die Beschleunigung und die Tatsache, dass diese etwas von der Geschwindigkeit völlig verschiedenes ist.
    Zur Untersuchung dieser Gesetze, führte Galilei als Versuchsanordnung die schiefe Ebene mit Kugeln aus verschiedenen Materialien ein. Somit war es erstmals möglich, die Geschwindigkeit der langsam anrollenden Kugeln zu messen. So stellte er fest, dass auch die Geschwindigkeit auf schiefen Ebenen zunimmt.

 

 

  • Entdeckungen zur heutigen Elastizitätstheorie:
    Auch wenn Galilei noch keine quantitative Theorie aufstellen konnte, entdeckte er, dass die Tragfähigkeit eines Balkens größer ist, wenn man ihn hochkant, nicht flachkant stellt und war der Erste, der die äußere Belastung in Relation zu den inneren Spannungen setzte.
  • Erkenntnisse zur bogenförmigen Bewegung eines Geschosses:
    Galilei wies nach, dass diese Bewegung aus zwei Komponenten besteht. So stellte er fest, dass hier eine von der Trägheit bestimmte horizontale und eine von stetiger Beschleunigung bestimmte nach unten gerichtete Komponente zusammenwirken. Daraus ergibt sich dann die parabelförmige Flugbahn.
  • Bestimmung des Gewichtes von Luft:
    Galilei widerlegte 1614 die bisher vorherrschende Meinung von gewichtsloser Luft und bestimmte ihr spezifisches Gewicht als ein 600stel des Gewichts von Wasser. Auch hiermit entkräftete er eine aristotelische Anschauung.
  • Erbauung eines leistungsstarken Fernrohres und in dessen Folge zahlreiche Entdeckungen am Himmel:
    Er baute mit Hilfe seiner erlernten Schleifkunst aus Brillenlinsen – nach dem Vorbild des in Holland von Jan Lippershey erfundenen Fernrohrs – ein einfaches Fernrohr mit zunächst 4-facher und später bis zu 33-facher Vergrößerung und beobachtete den Himmel:
    - er entdeckte die vier Monde des Jupiter (Io, Europa, Ganymed und Kallisto)
    - er erkannte die Phasengestalt der Venus (Sichel und Dichotomie)
    - er beschrieb die Ringe des Saturn
    - er beobachtete die Schatten der Mondgebirge
    - er sah die Sonnenflecken und damit die Rotation der Sonne
    - er nahm wahr, dass die Milchstraße nicht ein nebliges Gebilde ist, sondern aus einzelnen Sternen besteht
    Galilei Mond- er bemerkte, dass der Mond nicht leuchtet, sondern von der Sonne angeleuchtet wird
    - er stellte fest, dass die Planeten - im Gegensatz zu den Fixsternen - als Scheiben zu sehen sind
    All diese Beobachtungen und eine Federzeichnung der Mondoberfläche veröffentlichte er im Sidereus Nuncius, der Galilei berühmt machte.
    Außerdem bestätigten sie ihn in seiner ohnehin schon für ihn feststehenden Überzeugung von der Richtigkeit des kopernikanischen Weltbildes.
  • Entwicklung eines Thermometers (noch sehr ungenau arbeitend)
  • Erfindung der hydrostatischen Waage:
    1586 konstruierte Galilei – angeregt durch die Arbeiten von Archimedes – eine hydrostatische Waage, mit der man spezifische Gewichte bestimmen konnte und löste damit ein antikes Problem. 
  • Erfindung einer Rechenmaschine:
    Mit dieser Rechenmaschine kann man aus der Stellung der Jupitermonde den geographischen Standpunkt bestimmen.
  • Entdeckung der Libration des Mondes:
    Kurz vor seiner Erblindung stellte er die schwankende Bewegung des Mondes (Libration) fest. Diese Libration setzt sich aus folgenden vier Anteilen zusammen: Libration in der Länge durch die Ellipsenbahn; Libration in der Breite durch die Neigung der Rotationsachse; parallaktische Libration durch den Blickwinkel und schließlich die physische Libration durch die Mondform (der Mond ist keine ideale Kugel).
  • Einige nützliche Erfindungen:
    Man fand Skizzen von Geräten wie einer Kombination aus Kerze und Spiegel, um damit das Licht durchs ganze Haus leiten zu können; einem automatischen Tomatenpflücker; einem Taschenkamm, der auch als Besteck verwendet werden konnte oder einer Art Vorläufer des Kugelschreibers.
  • Erkenntnisse bezüglich des Weltbildes:
    Galilei war von folgenden Tatsachen überzeugt:
    - die Sonne steht im Mittelpunkt des Planetensystems
    - die Erde ist ein Planet wie Merkur , Venus und Mars
    - alle Körper auf Erden und im Weltall bewegen sich nach festen Gesetzen

Galileis wichtige Werke:

  • Sidereus nuncius, 1610
    deutsch: Nachricht von neuen Sternen
  • Saggiatore 1623
    deutsch: Prüfer mit der Goldwaage
  • Dialogo sopra i due massimi sistemiFlorenz 1632
    deutsch: Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme
  • Discorsi e dimostrazioni matematicheLeiden 1638
    deutsch: Unterredung und mathematische Demonstration über zwei neue Wissenszweige die Mechanik und die Fallgesetze betreffend

Raumsonde Galiliei

Galilei zu Ehren wurden folgende Dinge nach ihm benannt:

  • im cgs-System die Einheit für die Erdbeschleunigung „Gal“
  • ein Krater auf dem Mond
  • das Galileo-Thermometer
  • die Raumsonde Galileo, gebaut zur Erforschung des Planeten Jupiter
  • das zukünftige Satellitennavigationssystem Galileo
  • eine dimensionslose Kennzahl der Strömungsmechanik (Galilei-Zahl)
  • die vier größten Monde des Jupiter (die Galileischen Monde)

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