III. Der Dreißigjährige Krieg

Der dreißigjährige Krieg dauerte, wie der Name schon sagt, 30 Jahre. Er begann 1618 und endete 1648. Er war nicht nur ein Religionskrieg, es ging auch um Stände- und Staatenkonflikte. Die Unterschiede zwischen der protestantischen Union und der katholischen Liga seit 1608 waren eine der Ursachen, der Aufstand der böhmischen Stände gegen die Habsburger der Anlass. Außerdem wurden Machtkämpfe um die Hegemonie in Europa zwischen den Habsburgern, zu denen Österreich und Spanien gehörten, und den Franzosen, welche sich aus der habsburgischen territorialen Umklammerung lösen wollten, sowie Dänen und Schweden ausgetragen. Die Schlachten fanden größtenteils auf dem Boden des Reiches statt.

 

Man kann den Krieg in vier Perioden unterteilen:


1.) Böhmisch-Pfälzischer Krieg 1618-23:

Schlacht am Weißen BergDiese Phase war primär durch den Glaubenskonflikt geprägt.
Die böhmischen protestantischen Stände waren anfangs in ihrem Aufstand erfolgreich, so drangen sie in die Habsburgischen Ländereien ein und standen unter Führung von Heinrich Matthias von Thurn im Jahre 1619 vor den Toren Wiens. Der Krieg sah also zunächst sehr aussichtsreich für die Böhmen aus, welche auch gute Bündnisse eingingen. Jedoch wendete sich das Kriegsblatt, als Ferdinand der I. von Maximilian dem I. von Bayern militärische Unterstützung zugesprochen bekam und zudem sich der protestantische Kurfürst von Sachsen, Johann Georg I. an die Seite des Kaisers stellte und die in der Union zusammengeschlossenen protestantischen Reichsstände Friedrich V. von der Pfalz nicht genügend zu Hilfe kamen.
Die Schlacht am Weißen Berg von 1620 unter der Führung der Kaiserlichen Armee durch Feldheer Tilly brachte den Böhmen vor Prag eine vernichtende Niederlage.
Tilly festigte den kaiserlichen Sieg in folgenden Schlachten in Wimpfen 1622, Höchst,1622 und Stadtlohn 1623.
Die Folgen für die Böhmen waren gravierend:

  • die Hälfte des Adels wurde enteignet und viele hingerichtet
  • in Folge gewaltsamer Rekatholisierung verließen die Protestanten Böhmen
  • die Protestantische Union wurde in Böhmen aufgelöst
  • die Pfalz konnte nicht gehalten werden und so ging die pfälzische Kurwürde 1623 zurück an Herzog Maximilian I. von Bayern


2.) Niedersächsisch-Dänischer Krieg 1625-29:

Graf von TillyDie gravierende Niederlage der protestantischen Heere im Reich zwang nun Christian IV. von Dänemark zu den Waffen. Der dänische König plante mit seinem Verbündeten Ernst von Mansfeld einen Feldzug, der sich zunächst gegen Thüringen und dann gegen Süddeutschland richten sollte. Jedoch scheiterte er, weil Tilly ihm und seinen verbündeten Truppen 1626 bei Lutter am Barenberg eine vernichtende Niederlage verpasste. Diese Niederlage hatte den Verlust der Unterstützung durch protestantische Fürsten in Norddeutschland zur Folge. Christian militärischer Feldzug wurde endgültig beendet, nachdem er eine schwere Niederlage in der Schlacht gegen den kaiserlichen Feldherren Wallenstein und sein Söldnerheer erlitt. In Folge dessen schien die protestantische Sache im Reich verloren und Ferdinand II. erließ das Restitutionsedikt (1629), das den Höhepunkt der kaiserlichen Macht im Reich markierte.

Die Dänen beendeten den Krieg mit dem Lübecker Frieden, bei welchem sie sich verpflichteten, den Status quo im Deutschen Reich zu akzeptieren; was konkret bedeutete, sie sollten sich nicht einmischen und akzeptieren, dass norddeutsche Fürstentümer rekatholisiert wurden.

Restitutionsedikt: es unterstrich, dass die katholische Interpretation des Augsburger Reichsfriedens absolut richtig sei und die Portestanten sollten alle seit 1552 geistlichen Güter zurückgeben.


3.) Schwedischer Krieg 1630-35:

GustavKönig Gustav II. Adolf von Schweden landete 1630 in Norddeutschland, da die kaiserliche Macht an der Ostsee zu für ihn inakzeptable Ausmaße angenommen hatte. Nachdem er Pommern, Mecklenburg, Brandenburg und Sachsen zu einem Bündnisvertrag gezwungen hatte, setzte er zu einem sehr erfolgreichen Siegeszug an, den auch Tilly nicht stoppen konnte. So drang er 1632 bis Augsburg und München vor und bedrohte Österreich. In dieser sehr prekären Situation, ernannte der Kaiser Wallenstein zum kaiserlichen Oberbefehlshaber. Diesem gelang es auch, den Schweden die Stirn zu bieten. Er drängte die Schweden in der Schlacht bei Lützen zurück; dort fiel Gustav Adolf. Nachdem Wallenstein mit dem Feind verhandelt hatte, und sich der Kaiser um eine zu große Macht Wallensteins sorgte, wurde Wallenstein auf kaiserlichen Befehl ermordet. Bernhard von Sachsen-Weimar übernahm die Führung der kaiserlichen Armee und errang in Nördlingen 1634 einen endgültigen Sieg über die Schweden. In Folge dessen wurde am 30. 5. 1635 in Prag Frieden geschlossen. Dabei verzichtete der Kaiser auf das Restitutionsedikt. Von diesem Zeitpunkt an hörte der Krieg der Konfessionen auf, da sich ab 1635 die protestantischen und katholischen Stände des Reiches sowie das protestantische Schweden und das katholische Frankreich gegenüberstanden.

Wer war Wallenstein?

WallensteinSein richtiger Name war Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (1583 bis 1634)

Er war ein genialer Feldherr, der neben Tilly im Dreißigjährigen Krieg des Kaisers Oberbefehlshaber war. Jedoch war er auch ein Geschäftsmann, so kam er durch Erpressung feindlicher und friedgesonnener Truppen zu erheblichem Wohlstand, was ihm eine eigene Söldnerarmee ermöglichte. Obwohl er ein vorbildlicher Ökonom war, der die Ordnung in der Wirtschaft und im Krieg bis ins Detail einhielt, vertraute er auf Aussagen von Sterndeutern und Astrologen. So war zum Beispiel auch Johannes Kepler von ihm angestellt worden um für ihn Horoskope zu erstellen.


4.) Schwedisch-französischer Krieg 1635-48:

Hier waren politische Machtinteressen den konfessionellen übergeordnet.
Die Franzosen haben schon zuvor ohne aktiv in die Kampfhandlungen einzugreifen die Schweden finanziell unterstützt, da es gegen den Erzfeind Habsburg ging. Jedoch konnte keine Seite die Oberhand gewinnen. In den Jahren 1645/46 drangen die Schweden in das nördliche Niederösterreich bis in die Nähe von Wien vor.

Der Krieg endete letztlich dort wo er begonnen hatte, nämlich in Böhmen.
Nachdem die Truppen „ausgeblutet“ waren und man die Erkenntnis erlangen hatte, dass der Glaube mit militärischer Gewalt nur schwer zu beeinflussen ist, schloss Ferdinand der III. am 24. 10. 1648 zu Münster mit Frankreich und in Osnabrück mit Schweden den Westfälischen Frieden.

 

Endresultat des Dreißigjährigen Krieges:

  • ganze Landstriche, vornehmlich in Süddeutschland wurden durch Hungersnöte und Seuchen entvölkert
  • die Gesamtbevölkerung Europas wurde auf dem Land um 40 Prozent, in der Stadt um 33 Prozent dezimiert
  • Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse (z.B. weniger landwirtschaftliche Anbauflächen, Rückgang im Handel)
  • Europa brauchte 100 Jahre um sich von dem Krieg zu erholen
  • Teilweise Entkonfessionalisierung der Politik
  • der Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurde erneut anerkannt und auf die Calvinisten ausgedehnt
  • starke territoriale Veränderungen (z.B. Schweiz und Niederlande erhielten Souveränität und Vorpommern wurde schwedisch)

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