III. Krankheitsverlauf

Erreger

Die Erreger der Pocken sind Viren der Virusfamilie Poxviridae. Pockenviren sind die größten und bekanntesten Tierviren. Sie weisen Eigenschaften auf, die denen primitiver Zellen ähneln.
Zur Familie der Poxviridea gehören die Gattungen Orthopoxvirus und Parapoxvirus. Die Erreger der Pocken beim Menschen sowie die Erreger der Kuhpocken gehören zur Gattung Orthopoxvirus. Bei der Pockenerkrankung des Menschen kann man zwischen den eigentlichen echten Pocken und den ungefährlicheren weißen Pocken unterscheiden.

 

Erkrankungmedizinischer NameErregerSterblichkeit
echte Pocken Variola vera,Variola major Orthopoxvirus variola 10-90%, je nach Stamm
weiße Pocken Variola minor,Alastrim Orthopoxvirus alastrim 1-5%

PockenvirusMit einer Kantenlänge von bis zu 400 Nanometern (1 Nanometer = 1 Milliardstel Meter) gehören die ziegelförmigen Pockenviren zu den größten Krankheitserregern, die dem Menschen gefährlich werden können. Es sind hoch komplexe Viren, die DNA enthalten und von einer verhältnismäßig resistenten Eiweißhülle umgeben sind.
Ihr Genom (=Gesamtheit der vererbbaren Nukleinsäure) umfasst rund 200 Gene, die auf ca.187.000 Basenpaaren verteilt sind. Im Vergleich dazu besitzt das HI-Virus (HIV) nur 10 Gene!


Übertragung

Die Tröpfcheninfektion gehört zu den häufigsten Übertragungswegen der Pocken. Beim Sprechen, Niesen oder Husten gelangen feinste Sekrettröpfchen in die Atemwege. Aber auch per so genannter Schmierinfektion - über Kleidungsstücke oder Gegenstände - kann die Erkrankung übertragen werden.
Die Inkubationszeit beträgt acht bis 14 Tage.


Symptome

Die Pocken führen zu typischen Hautveränderungen, die verschiedene Stadien durchlaufen können. Die Bezeichnung Variola geht auf das lateinische Wort varia für verschieden oder bunt zurück und dürfte durch die vielgestaltigen Hautveränderungen entstanden sein.

PockenpustelnDie Erkrankung beginnt mit einigen uncharakteristischen Beschwerden, wie z.B. Fieber, Kreuz- und Gliederschmerzen sowie einer Entzündung der Atemwege, die ca. 2 bis 4 Tage anhalten. In diesem Stadium tritt bereits auch ein vorübergehender Hautausschlag auf. Nach einem kurzfristigen Abfall des Fiebers kommt es zu den typischen Hauterscheinungen. Sie treten in der folgenden Reihenfolge auf: Papeln (Bläschen), Vesikel, Pusteln, die dann zu Verkrustungen führen. Unter Papeln versteht man kleinere fest umrissene feste Hauterscheinungen, unter Vesikeln derartige Hauterscheinungen, die flüssigkeitsgefüllt sind, und unter Pusteln solche, die eitergefüllt sind.

Zuerst bilden sich blass-rote, juckende Bläschen (Papeln), die dann in Vesikel übergehen. Aus diesen knotenartigen Vesikeln entstehen dann flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die sich zu mit Eiter gefüllte Pusteln umwandeln. Diese Pusteln trocknen dann unter Bildung von einer Kruste bzw. Schorf ein. Die Abstoßung dieser Krusten ist mit einem starken Juckreiz verbunden. Besonders im Gesicht bleiben daher häufig Narben, die so genannten Pocken-Narben, zurück. Die Hautveränderungen treten zuerst am Kopf auf und breiten sich dann über den gesamten Körper aus. Dabei sind besonders die Extremitäten betroffen, der Körperstamm dagegen weniger. Während dieser Zeit leiden die Patienten unter hohem treppenförmig ansteigendem Fieber mit Delirien (=akute psychische Störungen, die eine organische Ursache haben, also Verwirrtheit, Desorientierung und Wahnvorstellungen).

Als schwarze Blattern oder Variola haemorrhogica bezeichnet man eine besondere Verlaufsform der Pocken. Bei dieser Form der Erkrankung ist die Inkubationszeit verkürzt. Innerhalb weniger Tage kommt es zu ausgedehnten, schweren Blutungen in die Haut, zu Blutungen der Schleimhäute sowie innerer Organe, wie z.B. der Leber und des Herzens, aber auch des Gehirns und Rückenmarks. Die Patienten versterben bereits in der ersten Erkrankungswoche, häufig schon während der ersten 48 Stunden.

In schwereren Fällen können Erblindung, Taubheit, Lähmungen oder Hirnschäden auftreten. Oft genug verläuft die Krankheit jedoch tödlich. Die geschätzte Mortalität der unbehandelten Pocken liegt bei etwa 30%.


Diagnose

Der Nachweis der Pockenviren ist auf verschiedene Art und Weise möglich. Die Pockenviren können im Material, das aus den Bläschen und Pusteln gewonnen wurde, mit dem Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden. Dieser Test ist innerhalb von einigen Stunden als Schnelltest möglich. Eine Anzucht der Viren ist in Hühnerembryonen möglich. Es können aber auch serologische Verfahren angewendet werden, die spezifische Antikörper gegen die Pockenviren nachweisen. Sehr gute Ergebnisse liefert auch die Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR). Zur Zeit finden in vielen Ländern und auch in Deutschland wegen der Sorge eines terroristischen Anschlags intensive Schulungen von Ärzten statt, um ihr Wissen über die Diagnose der Pocken zu erweitern bzw. aufzufrischen.


Quarantäne
(=ist eine vorübergehende Isolierung zur Verhinderung der Ausbreitung von infektiösen Krankheiten)Quarantaene

Auf Grund ihrer hohen Ansteckungskraft gehörten Pocken zu den quarantänepflichtigen Erkrankungen, wie heute noch Pest, Gelbfieber und Cholera.
Um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern, müssen die Patienten, das betreuende medizinische Personal sowie sämtliche Kontaktpersonen strikt isoliert werden. Wohnräume, Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände der erkrankten Personen müssen desinfiziert werden.
Die Dauer der strengen Isolierung nach einer möglichen Infizierung beträgt bei Pocken mindestens 14 Tage.


Therapie

Eine ursächliche Bekämpfung des Pockenvirus im menschlichen Körper ist nicht möglich. Da Antibiotika nur gegen Bakterien, nicht aber gegenüber Viren wirken, können die Ärzte lediglich die Symptome bekämpfen, indem sie Bettruhe, fiebersenkende Medikamente und eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr verordnen.

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