I. Weil der Stadt

Über Weil der StadtWeil der Stadt

Weil der Stadt ist eine 19.270 Einwohner zählende Kleinstadt im Baden-Württembergischen Landkreis Böblingen in der Nähe von Stuttgart. Ihr gehören die Stadtteile Merklingen, Schafhausen, Münklingen und Hausen an.


Einige Daten:

Höhe: 406 m ü. NN

Fläche: 43,17 km²

Bevölkerungsdichte: 446 Einwohner/km²

Die ehemalige freie Reichsstadt ist ein beliebtes Ausflugsziel. Neben seiner malerischen Lage im Würmtal und in wunderschöner Natur, liegt dies am kulturell wertvollen und sehr anschaulichen mittelalterlichen Stadtbild. Hervorzuheben sind hier vor allem die aus regionaltypischem Bundsandstein erbaute Stadtkirche St. Peter und Paul aus dem 15. Jahrhundert und die großteils gut erhaltene und auch teils begehbare Stadtmauer mit ihren vier Wehrtürmen (wie z.B. der Storchenturm) und dem Königstor, die der Stadt eine ganz besondere Note verleihen.
Weitere Sehenswürdigkeiten: Spitalkapelle und Spital, Marktplatz und Stuttgarter Straße, Augustinerkloster, Kirchenburg, Würmbrücke, Viehmarkt mit Brunnen, Stadtfriedhof mit der Kapelle St. Michael (ältester erhaltener Grabstein von 1506), Altes und Neues Rathaus, sowie einige Brunnen und weitere Kirchen.

Die Stadt liegt im Vorland des Schwarzwaldes, genauer dem Heckengäu. Somit findet sich in Weil der Stadt auch die typische Geologie des Heckengäus. Die Böden sind trocken, steinig und verkarstet. Sie bestehen hauptsächlich aus Muschelkalk und Lehm, typische Böden sind Rendzinen (=Ah-C-Boden auf kalkhaltigem Untergrund).
Die Flora ist gezeichnet vom namensgebenden Heckenbewuchs aus Dornsträuchern, Hartriegel, Wacholder- und Schlehenhecken, Liguster und Feldahorn. Des Weiteren finden sich neben landwirtschaftlich genutzten Flächen Streuobstwiesen und schwarzwaldtypische Fichten- und Tannenwälder.


Zur Geschichte:

Entstanden ist Weil der Stadt aus einer dörflichen alemannischen Siedlung des 6. Jahrhundert nach Christus, die wohl zur Römerzeit schon Bedeutung als Handelsplatz hatte. Urkundlich wurde die Stadt erstmals 1075 erwähnt, der damalige Name lautete „Wile“ (lat.: villa – römischer Gutshof), was dann später zu „Weil“ wurde. Das Stadtrecht erhielt das ehemals mittelalterliche Dorf in den Jahren zwischen 1223 und 1242. Es folgte die Ernennung zur Freien Reichsstadt im Jahre 1275.
Ein erstes unheilbringendes Ereignis erfolgte 1388, als die Schlacht bei Döffingen verloren wurde, bei der die Freien Reichsstädte gegen die Landesfürsten antraten.
Schwer getroffen wurde Weil der Stadt am 18. Oktober 1648: Kurz vor Abschluss des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt, die als Zentrum der Gegenreform galt, von Truppen aus Frankreich ausgeraubt und in Brand gesetzt. Dieser Stadtbrand hatte die großteilige Zerstörung der Altstadt zur Folge.
1803 fiel die bisher zur damaligen badischen Markgrafschaft gehörende Stadt zusammen mit dem Ende ihrer Reichsunmittelbarkeit an Württemberg.
In den Jahren 1972 bis 1975 wurden in Folge der Gemeindereformen die umliegenden Gemeinden Merklingen, Schafhausen, Münklingen und Hausen eingemeindet.
Ein weiterer berühmter Sohn der Stadt ist neben Johannes Kepler der Schüler Martin Luthers und württembergische Reformator Johannes Brenz (1499 – 1570).

Kepler in Weil der Stadt

Johannes Kepler kam am 27. Dezember 1571 am Tag des heiligen Johannes, dem er seinen Namen verdankt, als erstes Kind des Bürgermeistersohnes Heinrich Kepler und seiner Frau Katharina Kepler, geborene Guldenmann, in Weil der Stadt zur Welt. Hier verbrachte er seine ersten Lebensjahre und auch sein Bruder Heinrich kam hier zwei Jahre später zur Welt.
Die beiden Kinder lebten eine Zeit lang alleine mit den Großeltern, da die Mutter dem Vater, der als Söldner die Familie verlassen hat, in die Niederlanden hinterher reiste.
Während dieser Zeit erkrankte der junge Johannes an den Pocken, die er zwar trotz seiner zarten Konstitution überstand, von denen er aber neben Narben einen Augenschaden zurückbehielt, der ihm zeitlebens zu schaffen machen sollte.
Nach der Rückkehr der Eltern im Spätsommer 1575 folgte der erste Umzug für Kepler.

Erinnerungen an Kepler heute

Das Geburtshaus Keplers, das Haus seiner Großeltern fiel leider dem großen Stadtbrand kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges zum Opfer. Doch man baute es später nach alten Bauplänen wieder auf und heute befindet sich darin das Keplermuseum.

Nicht weit davon entfernt, auf dem Weil der Städter Marktplatz findet man außerdem das Johannes Kepler Denkmal, mit dem man den Astronomen zu seinem 300. Geburtstag ehrte. Es wurde 1870 von dem Bildhauer A. v. Kreling entworfen, nachdem aus vielen Städten des Reiches und Ländern der Welt Spenden eingegangen waren.
Im Sockelbereich des Denkmals sind weitere Berühmtheiten wie Tycho Brahe (dänischer Astronom) und Nikolaus Kopernikus (u.a. auch Astronom) dargestellt.

Ferner trägt das hiesige Gymnasium den Namen des berühmtesten Sohnes der Stadt.

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